Regenerative Orthopädie
Eine Reihe von regenerativen Therapieverfahren wie der Einsatz von Wachstumsfaktoren, verschiedenartige Stammzellen, das sog. Tissue Engineering sowie die Gentherapie mit Einschleusung relevanter Funktionen in vitale Zielzellen erfreuen sich dank neuer molekularbiologischer Erkenntnisse und erster klinischer Erfolge in der Praxis immer größerer Beliebtheit. Obgleich es noch vieles zu untersuchen gilt, haben sich einige Methoden bereits bei vielen Erkrankungen als sicher, sinnvoll und wissenschaftlich nachweisbar in ihrer Wirkung erwiesen.
Die Gemeinsamkeiten dieser neuen Therapien liegen darin, durch verschiedene neuartige Botenstoffe (u.a. Zytokine oder Wachstumsfaktoren) an verschiedenen Schlüsselstellen gezielt in die Regulation von Degeneration und Wachstum einzugreifen. Ferner können sie entzündungshemmende Stoffe oder Wachstumsreize zur Verfügung stellen und so zur Gewebereparatur beitragen. Dazu gezählt werden einerseits die so genannten „Biologicals“, wie sie mit den gentechnologisch hergestellten TNFα-Hemmern und Zytokinantagonisten bereits in der Therapie der rheumatoiden Arthritis flächendeckend verwendet werden.
Diese neue Therapieklasse zeichnet sich dadurch aus, dass keine Medikamentenmoleküle im herkömmlichen pharmazeutischen Sinn, sondern Eiweißkörper mit höchster Spezifität eingesetzt werden. Studien zu Folge haben sie eine teilweise erstaunliche Wirksamkeit bei Patienten, die gegenüber klassischen Therapieansätzen refraktär sind.
Das Hauptaugenmerk meiner bisherigen Forschung ist bislang auf die Anwendung von autologen = körpereigenen Blutzubereitungen (Autologes Conditioniertes Serum – ACS bzw. Platelet Rich Plasma - PRP) und gentechnisch hergestellten Zytokinantagonisten sowie Wachstumsfaktoren (z.B. TNF-alpha-Hemmer) in geschädigten Muskel-, Gelenk- und Wirbelsäulenabschnitten gerichtet. Grundsätzlich geht meine Tendenz jedoch dahin statt autologe Mono-Therapien die besten Kombinationen an körpereigenen Stoffen zu finden.
Appell
Angesichts einer steigenden Prävalenz orthopädischer Erkrankungen, die mit einer alternden Bevölkerung zunehmen wird, sind neue mikroinvasive, regenerative Therapien dringend erforderlich, um die derzeitige Kluft zwischen konservativen Behandlungen und chirurgischen Eingriffen zu überbrücken. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die hier besprochenen Verfahren, falls sie versagen, einem Patienten immer noch die Option lassen, durch ein anschließendes chirurgisches Verfahren von den Schmerzen oder Beeinträchtigungen doch noch befreit zu werden.
Wichtig ist aber auch, dass wir uns klar machen, dass diese neuen autologen oder biotechnologischen Methoden alle mit deutlich mehr Aufwand als bei einer klassischen Kortison Injektion verbunden sind und deshalb den Patienten zum Teil erheblich mehr kosten. Natürlich ist es einfacher, einer Patientin /einem Patienten zu erklären, dass ihm ein entzündungshemmendes Präparat an die Wirbelsäule oder in ein Gelenk injiziert wird, anstatt ihm zu erklären, was ein TNF-a-Hemmer oder ein Interleukin-1-Rezeptorantagonist ist und wie sie wirken. Die nahe Zukunft wird zeigen, ob und für welche orthopädische Erkrankungen weitere Zytokinantagonisten oder Wachstumsfaktoren als Therapeutika in Frage kommen. Die viel versprechenden ersten Behandlungserfolge liefern jedoch nur begrenzt Gründe für eine Euphorie. Sicherlich müssen weiterführende klinische Studien folgen. Es handelt sich unfraglich um äußerst potente Wirkstoffe, die mit großer Wahrscheinlichkeit ein großes therapeutisches Potential besitzen.
Es ist daher umso wichtiger, dass Patientinnen und Patienten nicht enttäuscht werden, indem unseriös oder mit mangelnder Aufklärung agiert wird. Daher diese Webseite.